Er kämpft mit Verlustängsten um seine Frau Padme, erlebt immer wieder dissoziative Episoden und schwankt gegenüber Freunden zwischen Idealisierung und totaler Abwertung: „Star-Wars“-Bösewicht Darth Vader leide unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, behauptet der französische Psychiater Eric Bui in einem Interview auf sueddeutsche.de. Die psychische Erkrankung zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene zwischen extremen Gefühlspolen wechseln und instabile zwischenmenschliche Beziehungen führen.
Fünf von neun Kriterien müssten zutreffen, damit Experten eine Borderline-Störung diagnostizieren – bei Darth Vader seien sogar sechs Merkmale erfüllt, sagt Eric Bui. Als Auslöser macht der Psychiater den Verlust des Vaters und die frühe Trennung von der Mutter aus. Dass aus dem schillernden Jedi-Ritter Anakin Skywalker der röchelnde Darth Vader wird, hätte laut Eric Bui mit einer Therapie verhindert werden können.
Mancher Mediziner mag anhand dieser Ferndiagnose die Nase rümpfen. Als aufmerksamkeitsheischend, populistisch oder gar der Karriere abträglich werden solche Äußerungen in der Fachwelt häufig abgetan. Wissenschaftlich fundiert seien seine Erkenntnisse natürlich nicht, kontert Eric Bui im Interview. Doch eigne sich die Filmfigur-Diagnose hervorragend dazu, Studenten bestimmte Krankheitsbilder plastisch zu erläutern. Und nicht nur das: Der französische Psychiater bricht eine Lanze für die Psychotherapie, die Anakin Skywalker vermutlich vor einem Wechsel auf die böse Seite der Macht bewahrt hätte.
Eric Buis Analyse macht Laien ein bestimmtes Krankheitsbild zugänglicher. Ein kluger Schritt, von dem alle, die komplexe Themen an ein fachfremdes Publikum kommunizieren müssen, viel lernen können: Warum nicht zum Start der neuen „Greys-Anatomy“-Staffel den Herzchirurgen die Operationsmethoden im TV kommentieren lassen? Oder zur Fußball-WM ein Interview mit dem Sportmediziner zu Fußballverletzungen führen? Im eigenen Haus kosten solche Maßnahmen sicherlich Überzeugungsarbeit. Redakteure, Leser und künftige Patienten werden die anschaulichen Medizin-Lehrstunden jedoch zu schätzen wissen.
