…schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrem Artikel „Die Ärztinnen sind da“ und greift damit einen Trend auf. Bereits jetzt sind 64 Prozent der Medizinstudenten Frauen – voraussichtlich werden es sogar noch mehr. Bei der Planung ihrer beruflichen Zukunft stellt sich für sie fast immer auch die Frage: Karriere oder Kinder? Beides ginge ja wohl nicht. Denn noch scheint die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Medizin ein schwieriges Feld zu sein, insbesondere für Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Die Medizinische Hochschule Hannover ist bislang eine Ausnahme im Hochschulsystem: Sie bietet den Beschäftigten 375 eigene Krippen- und Kitaplätze. Obwohl das die hohe Nachfrage nicht deckt, geht die MHH damit einen Schritt in die richtige Richtung, um Wissenschaftlerinnen eine Karriere mit Kind schmackhaft zu machen.
Auch Krankenhäuser müssen nun ihre Strukturen den aktuellen Tatsachen anpassen, um eine große Bandbreite an Nachwuchsmedizinerinnen anzusprechen: In etwa fünf Jahren ströme nämlich eine Welle Frauen in der Ausbildung auf die Krankenhäuser zu, vermutet der Präsident des Deutschen Medizinischen Fakultätentages, Dieter Bitter-Suermann. Wer dann nicht in der Lage sei, den Ärztinnen entsprechende Angebote zu machen, habe schnell das Nachsehen.
In Zeiten eines allgemeinen Medizinermangels werden schließlich die Kliniken das Rennen machen, die früh verstanden haben, was berufstätigen Frauen, die eine Familie gründen wollen, wichtig ist. Sich auf kommunale Kindergärten zu verlassen, bei denen die Sprösslinge mittags abgeholt werden müssen, ist dabei sicher keine gute Lösung. Aber noch ist es nicht zu spät: Das Wissen um diesen Trend in der Medizin bietet Krankenhäusern heute die Chance, über passende Veränderungen im eigenen Haus nachzudenken. Das wäre eine weise Investition in die Zukunft.
