12
Jul
2010
Journalismus    von: Ritz

Ein Berufsstand im Untergang?

Journalismus im Jahr 2020: Die letzte Zeitung ist gestorben. Informationen holen wir uns kostenlos im Internet, in dem Bürgerreporter zu jedem denkbaren Thema bloggen. Eine Vision? Nicht wirklich – gerade hat der Unternehmer Daniel Holle die Medienplattform „Tvype“ gestartet. Dort laden Bürger Bild- und Filmmaterial unentgeltlich hoch, und Medien können sich zu Schleuderpreisen bedienen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) ist entsetzt.

Viele erhofften sich durch das Internet eine neue demokratischere Informationskultur. Bilder, Filme, Artikel – die Veröffentlichung von Inhalten war im Web 2.0 plötzlich nicht mehr das Privileg weniger. Jeder Nutzer, der halbwegs technisch versiert war, konnte mitmischen. Die negativen Folgen werden jetzt erst deutlich: Wenn Bürgerreporter aus allen Ecken der Welt umsonst Material liefern, wer braucht dann noch teure Redakteure, Korrespondenten und Bildjournalisten?

Der DJV befürchtet Lohndumping. Als die Bild-Zeitung „Leser-Reporter“ rekrutierte, vermuteten Polizei- und Rettungskräfte-Verbände zudem eine Zunahme von Gaffern, die mit Handykameras das Geschehen filmen. Wissenschaftler warnen schon seit längerem vor einem Verlust der Medienqualität, denn längst nicht jeder Bürgerreporter hat das handwerkliche und medienethische Wissen, über das ausgebildete Redakteure verfügen.

Auch PR-Verantwortlichen sollten die Billig-Reporter zu denken geben: Wer Pressearbeit betreibt, ist schließlich auf die Glaubwürdigkeit der Medien angewiesen. Dass die gerade erodiert, kann nicht im Interesse der Öffentlichkeitsarbeiter sein. Wir brauchen starke unabhängige Medien. Und wir brauchen Profis, die Journalismus als Beruf ausüben – und nicht als Hobby.

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