Unserem medizinischen Nachwuchs verspricht die „Zeit“ eine rosige Zukunft: 5000 Stellen in deutschen Krankenhäusern sind unbesetzt, die Arztgehälter wachsen im zweistelligen Prozentbereich und eine Facharztausbildung gibt es jetzt sogar vertraglich garantiert. Die These des Autors: Der Anreiz, als Assistenzarzt ins Ausland zu gehen, dürfte unter diesen Bedingungen bald verschwinden.
Die Realität in deutschen Krankenhäusern sieht indes ganz anders aus. Erst eine im April erschienene Studie zeigt, dass ein Viertel der befragten Chirurgen unter den hohen beruflichen Anforderungen leidet. 80 Prozent fühlen sich nach der Arbeit zu müde für den Sportverein oder Familienaktivitäten. Fast die Hälfte der Befragten sieht die Qualität der Patientenversorgung durch Überarbeitung beeinträchtigt. Und ein Drittel träumt gar mehrere Male im Monat davon, im Ausland zu arbeiten. Die Unzufriedensten unter den Befragten sind die Assistenzärzte.
Allen Unkenrufen zum Trotz: Viele Kliniken haben schmerzhaft erfahren, was es bedeutet, wenn der Nachwuchs fehlt – und bessern nach. Marketing und Öffentlichkeitsarbeit tragen mit einer zielgruppengerechten Ansprache viel dazu bei. Stellenanzeigen betonen inzwischen attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten. Immer mehr Häuser präsentieren sich im Web als besonders familienfreundlich. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mit hochwertigen Broschüren für den Nachwuchs und Auftritten auf Berufsmessen ließe sich noch mehr erreichen. Dann dürfte der Standort Deutschland für Jungmediziner wieder an Attraktivität gewinnen.
