Es ist alltäglich: Die Sonne scheint, wir spazieren durch die Fußgängerzone und ein oder mehrere Straßenmusiker unterhalten die Passanten mal besser und mal schlechter. Vielleicht bleiben wir stehen und hören eine Weile zu. Und vielleicht werfen wir eine Münze in den Hut, der dort am Boden liegt und zu sagen scheint: „Wenn dir die Musik gefallen hat, dann honoriere das doch mit einem kleinen Betrag.“ Ob es wohl in Zukunft genau so normal sein wird, für Inhalte im Internet zu bezahlen? Nach der morgendlichen Spiegel-, Süddeutsche- oder taz-Lektüre einen Button zu betätigen, mit dem man für gelesene Artikel stiftet? Anbieter wie flattr oder Kachingle machen solche Geldanweisungen nun sogar bequem möglich.
Dass ein Leser für eine Zeitung aus Papier löhnen muss, ist bekannt. Die Akzeptanz, für ähnliche Online-Inhalte etwas zu zahlen, ist hingegen gering. Frei nach dem Motto: „Ich könnte zwar, aber ich muss ja nicht.“ Momentan leben wir in der glücklichen Situation, im Internet noch viele gut recherchierte, spannende und lesenswerte Geschichten zu finden, für die wir nicht in die Tasche greifen müssen. Aber wie lange noch?
Sind wir erst bereit dafür zu zahlen, wenn auch der letzte Verlag seine erfahrenen Journalisten durch unbedarfte Schreiberlinge ersetzt hat? Betteln wir die Verlage dann an, unser Geld zu nehmen und wieder fähige Redakteure einzustellen? Oder werden die wirklich relevanten Inhalte dann schon gar nicht mehr von Verlagen, sondern nur noch von freien Autoren oder Bloggern verbreitet? Nur – wie finanzieren die sich eigentlich? Ein denkbares Szenario. Allerdings ist das Bezahlinternet kein Allheilmittel. Um zu überleben, müssen Verlage ihre Konzepte auch anderweitig überdenken und anpassen.
Dennoch: Die Idee des freiwilligen Spendens sei gut, die Welt aber noch nicht reif dafür, schreibt Tina Klopp in der Zeit. Das ist wohl so. Es schadet aber nicht, schon mal im Hinterkopf zu behalten, wie es werden könnte, wenn wir eine so genannte Kulturabgabe nicht mal ins Auge fassen. Wie sagen ältere Leute doch gern: „Wenn es umsonst ist, dann kann es nicht viel taugen.“
