Peter Müller wartet. Und das schon seit geraumer Zeit. Dabei hatte er sich doch in die Notaufnahme des Städtischen Krankenhauses begeben, weil er sich in ebenso einer Notlage befindet: Vor vier Stunden ist er beim Tennisspielen umgeknickt. Mittlerweile sieht sein Fuß so aus, als würde er nie wieder in einen Schuh passen. Außerdem hat Peter Müller furchtbare Schmerzen. Auf sein mehrmaliges Nachfragen in der Aufnahme erntet er nur ein genervtes Augenrollen. Jetzt ist auch er genervt. Er zückt sein Handy und surft ein wenig im Internet, um sich abzulenken. Auf Facebook liest er, dass seine Freunde bei strahlendem Sonnenschein munter im Park grillen. Sein Fuß schwillt dagegen weiter an. Aus lauter Frust über die unsinnige Warterei lässt Peter Müller auf Facebook eine Schimpftirade über das Krankenhaus los, auf dessen unbequemen Stühlen er gerade sitzt. Und weil er gerade schon dabei ist, schickt er zusätzlich eine meckernde Nachricht über Twitter, wo gerade eine eifrige Diskussion über das deutsche Gesundheitssystem im Gange ist.
„Interessant“, denkt sich ein Redakteur der lokalen Tageszeitung aus Peter Müllers Stadt, der dessen übellaunigen Beitrag zufällig liest. Wirbt nicht gerade das genannte Krankenhaus mit reibungslosen Abläufen und der Freundlichkeit seiner Mitarbeiter? Auf Facebook erhält Peter Müller gerade die ersten Antworten von anderen Usern, die damit beginnen, weitere Schauergeschichten zu diesem Krankenhaus zu posten. Jeder kennt einen, der einen kennt, dem ebenfalls etwas Ähnliches passiert ist. Endlich wird Peter Müller aufgerufen. Sein Handy wandert in die Hosentasche, seine eben abgesetzten Mitteilungen hat er fast schon wieder vergessen. Im Internet sind sie aber noch längst nicht Geschichte.
Ein denkbares Szenario von vielen, wie Kliniken ungewollt den Weg in die sozialen Netze, ins Web 2.0 finden. Und dort mitunter von Journalisten aufgespürt werden. Denn die Umfrage „Medien-Trendmonitor 2010 – Journalismus in einem neuen Informationszeitalter“ von news aktuell und Faktenkontor zeigt, dass die sozialen Medien mittlerweile durchaus zum Alltag der Redakteure dazu gehören: Mehr als jeder zweite gab an, bei der redaktionellen Arbeit auf Social Media zu setzen. Zudem bescheinigen 47 Prozent Angeboten wie Facebook, Twitter, Xing oder Youtube eine hohe Relevanz. Ein Grund mehr für Krankenhäuser und ihre Presseverantwortlichen, diese Kanäle im Auge zu behalten.
Nie war es so einfach, gute oder schlechte Nachrichten nachhaltig im Netz zu verbreiten. Es war aber auch noch nie so einfach, mit seinen Zielgruppen zu kommunizieren. Und genau darin liegt der Gewinn, den Krankenhäusern aus einer Hinwendung zu internetbasierten Kommunikationstechniken gewinnen können. Sicherlich muss nicht jeder auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen und überstürzt Profile auf den einschlägigen Seiten anlegen, die schließlich sinnvoll gepflegt werden wollen.
Es gilt, ehemalige und künftige Patienten, Bewerber, Journalisten und andere Interessierte mit Informationen oder Anregungen zu versorgen und ihnen vor allem gezielte Redeangebote zu machen. So können die Verantwortlichen Kritik und Wünschen im Rahmen einer offenen Kommunikationskultur auch besser – und vor allem transparenter – begegnen.
