Archiv für die Kategorie ‘Journalismus’

Die Mutter aller Image-Filme

Montag, 16. Dezember 2013

„Wir beziehen unsere Produkte von den Weltmärkten“, ertönt die rauchige Stimme eines bekannten Werbesprechers, „dafür gehen wir gerne die Extra-Meile“. Im Bild hebt Didi Schweiger, ein Münchner Obstwagenbetreiber und stadtbekanntes Unikum, einem Kunden die Tüte auf. Während er im leicht verlangsamten Bild einen Apfel isst, heißt es nur: „Leistung fängt bei uns mit einer individuellen Qualitätskontrolle an“. Ein Hochglanz-Imagefilm für einen Obststand? Nicht ganz. Eher ein ironisches Projekt auf die Austauschbarkeit der Filminhalte, das selbst die Süddeutsche Zeitung zu einem Bericht reizte. Hier geht’s zum Film.

Rezension: „Heillose Zustände“ von SZ-Autor Werner Bartens

Montag, 12. November 2012
Cover "Heillose Zustände"

Das Cover von „Heillose Zustände“

Werner Bartens hat es wieder getan: Nach „Das Ärztehasserbuch“ und dem „Lexikon der Medizinirrtümer“ beleuchtet der Autor mit seinem neuen Buch „Heillose Zustände“ weitere dunkle Ecken des deutschen Gesundheitssystems. Dieses Mal geht es vor allem um die Position der Politik und die Machenschaften der Pharmaindustrie. Der Untertitel verspricht nicht zu viel, denn Bartens erklärt tatsächlich sehr anschaulich, „warum die Medizin die Menschen krank und das Land arm macht“.

Der Autor betrachtet das deutsche Anreizsystem als Grund dafür, weshalb die Deutschen, die jährlich 18 Mal zum Arzt gehen, nicht gesünder sind und kürzer leben als die Norweger mit ihren drei bis vier Arztbesuchen im Jahr. In Norwegen bekommen Ärzte für jeweils einen Patienten einen festen Betrag pro Jahr, die sogenannte Einschreibepauschale. Deutsche Ärztinnen und Ärzte hingegen erhalten eine Minipauschale je Untersuchung. Wiederholte Arztbesuche bringen entsprechend mehr Geld ein. Auf der Strecke bleibt laut Bartens vielfach der Patient, der mitunter nur oberflächlich untersucht oder direkt zum nächsten Facharzt überwiesen wird. Kurzum: Wendet der Arzt für seinen Patienten zusätzlich Zeit auf, bekommt er das in Deutschland nicht honoriert. (mehr …)

Medizinjournalismus: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen

Dienstag, 12. Juli 2011

Das Web 2.0 macht erfinderisch – gerade im Gesundheitsbereich. Erst kürzlich berichtete kliniksprecher.de über die Macher von washabich.de, die für Patienten unverständliche Befunde „übersetzen“. Nun hat eine Kollegin medien-doktor.de entdeckt: eine Website, auf der Medizinjournalisten medizinjournalistische Beiträge in Print-, TV-, Hörfunk- oder Online-Medien beurteilen. Entstanden ist das Projekt im November 2010 am Lehrstuhl für Wissenschaftsjournalismus der Technischen Universität Dortmund. Erst kürzlich war medien-doktor.de für den Grimme Online Award 2011 nominiert.
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Ein Berufsstand im Untergang?

Montag, 12. Juli 2010

Journalismus im Jahr 2020: Die letzte Zeitung ist gestorben. Informationen holen wir uns kostenlos im Internet, in dem Bürgerreporter zu jedem denkbaren Thema bloggen. Eine Vision? Nicht wirklich – gerade hat der Unternehmer Daniel Holle die Medienplattform „Tvype“ gestartet. Dort laden Bürger Bild- und Filmmaterial unentgeltlich hoch, und Medien können sich zu Schleuderpreisen bedienen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) ist entsetzt.

Viele erhofften sich durch das Internet eine neue demokratischere Informationskultur. Bilder, Filme, Artikel – die Veröffentlichung von Inhalten war im Web 2.0 plötzlich nicht mehr das Privileg weniger. Jeder Nutzer, der halbwegs technisch versiert war, konnte mitmischen. Die negativen Folgen werden jetzt erst deutlich: Wenn Bürgerreporter aus allen Ecken der Welt umsonst Material liefern, wer braucht dann noch teure Redakteure, Korrespondenten und Bildjournalisten?

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