Zwei Stunden im Wartezimmer, die besten Zeitschriften bereits gelesen und den zweiten Becher Automatenkaffee heruntergespült. Dann vergeht eine weitere halbe Stunde im Behandlungsraum, die Poster mit Innenansichten von Lunge, Knie oder Verdauungstrakt sind beinahe auswendig gelernt. Endlich kommt der Doktor – und nimmt sich geschlagene zehn Minuten Zeit, um den Patienten mit medizinischen Fachbegriffen zu verwirren. Dieser versteht nur Bahnhof, aber bevor er nachfragen kann, ist der Arzt ins nächste Zimmer verschwunden.
Leider spielt sich diese Szene im Alltag von so mancher deutscher Praxis oder Krankenhausstation ab. Ärzte müssen viele Patienten behandeln und haben daher kaum Zeit, sich auf jeden einzelnen wirklich einzustellen. Dabei verläuft das Behandlungsgespräch häufig knapp und ohne ausführliche Erläuterungen zu Krankheitsbild und Diagnose. Als Patient wird man zwar medizinisch behandelt, aber gut aufgehoben und betreut fühlt man sich nicht.