10
Mrz
2015
Veranstaltungen    von: Daniel Obermoeller

Krankenhauskommunikation in Deutschland und den Niederlanden – kein Vergleich?!

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Was können deutsche und niederländische Krankenhäuser in puncto Kommunikation voneinander lernen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts des Zentrums für Niederlande-Studien der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Kommunikations- agentur lege artis. Die Ergebnisse wurden am 6. März auf einer Fachtagung im Haus der Niederlande in Münster vorgestellt. Der Kongress richtete sich in erster Linie an Kommunikationsverantwortliche in Krankenhäusern. Aber auch einige „Branchenfremde“ zeigten sich interessiert an den Resultaten.

Im Fokus stand die Auswertung von Internet- und Social Media-Auftritten sämtlicher Krankenhäuser 65 Kilometer westlich und östlich der deutsch-niederländischen Grenze. „Wir haben festgestellt, dass niederländische Krankenhäuser die verschiedenen Online-Verbreitungswege eher themenspezifisch gebrauchen. Ihre deutschen Pendants nutzen hingegen – sofern sie überhaupt soziale Medien bespielen, was nur bei einem geringen Teil der Fall ist – alle Kanäle für alle Informationen“, so Dr. Lisa Terfrüchte, Leiterin des Projekts am Zentrum für Niederlande-Studien, die gemeinsam mit Prof. Dr. Achim Baum, Seniorpartner der Agentur lege artis, durch den Tag führte. Den mit Abstand größten Unterschied machte das Forschungsteam in einem ganz speziellen Feld aus: Fast die Hälfte der niederländischen Websites hat Angebote, die sich ausschließlich an Kinder richten. Die deutschen Kliniken legen auf diese Zielgruppe offenbar (noch) keinen Wert, wie die Ergebnisse der Untersuchung zeigen.

Im Bereich Social Media konnten die Forscher auf niederländischer Seite eine deutlich höhere Aktivität feststellen. Während Facebook, Twitter und Co. in Deutschland häufig eher als ein notwendiges Übel angesehen werde, hätten niederländische Kliniken das Prinzip „Social Media“ bereits verstanden und umgesetzt, sagte Corinna Bischof, Geschäftsführerin der Agentur lege artis. Denn nicht immer sei es sinnvoll, jeden Kanal zu bespielen, der zur Verfügung stehe. Viel entscheidender sei es, von den Inhalten her zu denken und dann eine Entscheidung für oder gegen ein Medium zu treffen.

Grundlage der Studie war eine Inhaltsanalyse der Websites und Social-Media-Kanäle von insgesamt 238 deutschen und 49 niederländischen Krankenhäusern im Zeitraum zwischen Mai und Juli 2014. Die Inhaltsanalyse war unter Mitarbeit engagierter Studenten des Zentrums für Niederlande-Studien und des Fachbereichs Kommunikationsmanagement der Hochschule Osnabrück durchgeführt und ausgewertet worden.

Die wesentlichen Unterschiede in der (Krankenhaus-) Kommunikationskultur beider Länder war zugleich das Thema einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung. „In den Niederlanden diskutieren wir, bis wir einen Konsens gefunden haben“, verdeutlichte Prof. Dr. Jan Herre Kingma, ehemaliger Generalinspekteur der öffentlichen Gesundheit im niederländischen Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport, das gesellschaftsweite Phänomen „Overleg“ als Prinzip für die interne Kommunikation. „Auch in den Kommunikationsabteilungen deutscher Krankenhäuser findet langsam ein Paradigmenwechsel statt – weg von reiner Kommunikation hin zu mehr Marketing“, bemerkte Dr. Mathias Brandstädter, Pressesprecher und Leiter Unternehmenskommunikation der Universitätsklinik Aachen. Beim Thema Transparenz im Gesundheitswesen zeigten sich dann erneut große Unterschiede zwischen den Nachbarn. Während die Niederländer sogar Sterberaten im Internet veröffentlichen, geben sich deutsche Kliniken hier spürbar zugeknöpfter. Brandstädter schränkte jedoch ein: „Transparenz ist kein Selbstzweck. Die Patienten müssen die Zahlen auch deuten können.“

Insgesamt boten die Ergebnisse reichlich Gesprächsstoff für die Kongressteilnehmer. Dementsprechend entstand zwischen den Postern, auf denen die Forschungsergebnisse zusätzlich präsentiert wurden, ein reger Austausch. Zusammenfassend, da waren sich die Teilnehmer und das Forschungsteam einig, erlaubt das Projekt einen Blick über den Tellerrand, von dem beide Seiten profitieren können. Insbesondere sei es gelungen, die theoretische Welt der Wissenschaft mit der Praxis zu verknüpfen, so die Veranstalter.

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    Eine Antwort zu “Krankenhauskommunikation in Deutschland und den Niederlanden – kein Vergleich?!”

    • Wenn es um effektive Krankenhauskommunikation geht, lohnt in der Tat hin und wieder der Blick ins Ausland. In Deutschland dagegen nutzt auch im Jahr 2015 nur ein Bruchteil der Kliniken Social Media aktiv, um mit Patienten und Angehörigen ins Gespräch zu kommen. Immerhin: Einige Häuser, wie die Frankfurter Rotkreuzklinien, gehen mit gutem Beispiel voran (worauf ich in einem Blogbeitrag verweise): http://socialmedia-blog.net/deutschland/social-media-deutsche-krankenhaeuser-alltag/

      Glauben Krankenhäuser, dass man Kritik einfach umgehen kann, wenn man sich Facebook oder Twitter verweigert? Die Wahrheit ist: Im digitalen Zeitalter finden Patienten immer einen Weg, sich über ein Krankenhäuser zu äußern.

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