Rund 8.500 Patienten sterben jährlich durch Fehler, die vermeidbar wären, rechnet das Aktionsbündnis Patientensicherheit vor. Die Ursachen dafür liegen nicht etwa in groben Kunstfehlern. Im Gegenteil: Es sind meist Gedankenlosigkeiten oder unglückliche Verkettungen von Umständen, die Patienten das Leben kosten können. Ans Licht der Öffentlichkeit kommen sie selten. Und auch die kritischen Zwischenfälle, bei denen fast etwas passiert wäre, verschweigen Ärzte und Pflegekräfte allzu oft.
Doch Mediziner sind keine Halbgötter in Weiß. Wie in anderen Berufen auch können bei ihnen Organisations- und Kommunikationsmängel, fachliche Überforderung oder Nachlässigkeit zu Fehlern führen – mit gravierenden Auswirkungen. Verschiedene Initiativen haben laut „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ die Gefahr erkannt: Das Bonner Institut für Patientensicherheit etwa setzt seit April auf ein Fehlermeldesystem. Intern pflegen bereits viele Kliniken eine Fehlerkultur.
Die eingehenden Berichte werden analysiert, offen diskutiert und in einer freien Datenbank erfasst. Somit wird eine Wiederholung der schwer vorhersehbaren Fehler vermieden und die Patientensicherheit steigt. Die Bereitschaft zu Fehlerberichten seitens der Ärzte und Pflegekräfte hängt jedoch stark von einer garantierten Anonymität und Sanktionsfreiheit ab: In vielen Köpfen herrscht die Angst, dass ein Eingeständnis dem beruflichen Selbstmord gleich kommt.
Doch nur wer um die Brisanz einer bestimmten OP-Technik weiß oder geklärt hat, dass Blutproben leicht verwechselt werden können, gibt darauf künftig Acht. Kliniken die bereits ein Fehlermeldeprogramm besitzen und pflegen, zeichnen sich durch besondere Vertrauenswürdigkeit aus. Denn dass vermeidbare Fehler in jedem Krankenhaus vorkommen, ist eine Tatsache. Die Frage ist nur, wie geht ein Krankenhaus damit um? Schweigt es oder pflegt es einen offenen Umgang mit Fehlern?
Patienten äußern sich durchweg positiv zu der offenen Fehlerkultur. Sie vertrauen Häusern, die sich um die Aufklärung von Fehlerquellen bemühen, da dies hilft, sie künftig zu vermeiden. Kliniken, die sich Meldesystemen anschließen, können die Versorgungsqualität verbessern, gleichzeitig noch etwas für das interne Klima tun und so für mehr Vertrauen bei Patienten sorgen.
