23
Jan
2012
Employer Branding    von: Langhans

Trend und Risiko: Leihärzte in Kliniken

Medizinermangel ist ein allgegenwärtiges Thema in der Fachpresse. Es fehlt jedoch nicht nur an niedergelassenen Ärzten, auch Kliniken beklagen vermehrt fehlendes Fachpersonal. Diesen Trend machen sich viele Mediziner zunutze – immer mehr arbeiten freiberuflich als Honorararzt für verschiedene Krankenhäuser. Inzwischen seien in Deutschland über 4.000 Ärzte auf Abruf tätig, wie die Rheinische Post und Zeit online berichten. Besonders gefragt: Anästhesisten und Internisten.

Gerade bei Engpässen greifen Kliniken auf flexible Leihärzte zurück. Für die auf Zeit arbeitenden Mediziner hat die Selbstständigkeit ebenfalls positive Seiten. Sie entscheiden, wie viel sie arbeiten möchten und entfliehen den ansonsten oft üblichen 80-Stunden-Wochen. Auch für Wiedereinsteiger, Pensionäre oder Frauen nach dem Mutterschutz kann die Zeitarbeit ein interessantes Modell sein.

Ihre Flexibilität lassen sich die Ärzte auf Zeit ordentlich bezahlen: Zwischen 60 und 80 Euro pro Stunde stellen sie ihren Arbeitgebern in Rechnung. Damit liegt ihr stündlicher Verdienst fast doppelt so hoch wie der eines angestellten Arztes. An dieser Stelle beginnt der Trend zum Risiko zu werden: Durch die ungleiche Entlohnung scheinen Konflikte mit dem festangestellten Personal vorprogrammiert. Zudem sind die „Zeitarbeiter“ meist nicht in die Klinikstrukturen eingebunden und nur selten mit organisatorisch-administrativen Aufgaben befasst. Diese entfallen dann auf das – wenig begeisterte – Stammpersonal.

Der Trend scheint angesichts des fortwährenden Mangels an qualifizierten Medizinern mittelfristig nicht umkehrbar zu sein. Längst haben Ärzte und Unternehmer die Marktlücke erkannt. Über 100 Vermittlungsagenturen für Honorarmediziner sind im letzten Jahrzehnt entstanden, Tendenz steigend. Vorsicht ist dabei aber unbedingt angebracht: Denn eine Neidkultur ob unterschiedlicher Verdienste und teils ungerecht verteilter Aufgaben kann sich rasant entwickeln und das Betriebsklima negativ beeinflussen. Eine gute interne Kommunikation muss daher an verschiedenen Stellschrauben ansetzen, um trotz bestehenden Konfliktpotentials ein motivierendes Arbeitsklima beizubehalten.

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