Save the date - 14. März 2018 - 12. Kliniksprechertag
30
Mai
2011
Krisenkommunikation    von: Ritz

EHEC: Wie reagieren Kliniksprecher?

Seit Tagen füllen Meldungen zum Darmkeim EHEC die Nachrichten. Besonders norddeutsche Krankenhäuser behandeln Patienten, die sich mit dem Bakterium infiziert haben – teilweise sogar intensivmedizinisch. kliniksprecher.de hat bei den Kommunikationsverantwortlichen Stefan Dreising, Uniklinik Münster, und Silvia Rievers, St. Joseph-Stift Bremen, nachgefragt, wie sich ihr Arbeitsalltag zurzeit gestaltet.

Stefan Dreising, Pressesprecher Uniklinikum Münster

Stefan Dreising

„Nach Bekanntwerden der EHEC-Ausbreitung produzierten wir am Montag der letzten Maiwoche zuerst eine Sonderausgabe unseres Mitarbeitermagazins ‚Pulsschlag’, die wir dann nachmittags an alle Beschäftigten verteilten. Schon am Morgen hatte ich erste Presseanfragen zu dem Thema erhalten. Die Journalisten waren bei ihren Recherchen schnell auf uns gestoßen, weil Prof. Dr. Helge Karch, Direktor unseres Instituts für Hygiene, weltweit als Experte auf diesem Gebiet gilt. Er war allerdings gerade auf einem Kongress in Innsbruck – da war seine Vermittlung als Interviewpartner nicht ganz einfach. Er hat sich jedoch direkt Zeit genommen und empfing abends sogar noch ein Team der Tagesthemen in Österreich.

Zum Glück konnten meine Kollegin Judith Becker und ich die Anfragen in den nächsten Tagen unter uns aufteilen. Sie übernahm alles, was mit der Versorgung betroffener Patienten zusammenhing – zurzeit behandelt das UKM 16 Patienten, sechs davon intensivmedizinisch (Stand 27. Mai 2011). Ich kümmerte mich um die Anfragen zum Thema „Erregersuche“. Am Mittwoch kam Prof. Dr. Karch mittags aus Innsbruck zurück. Seine ersten Termine nach der Ankunft waren zwei Pressekonferenzen um 13 und um 15 Uhr, die wir für regionale und überregionale Medienvertreter organisiert hatten. Um 22.45 Uhr führte ich an diesem Tag das letzte Telefonat mit einem Journalisten. Zu diesem Zeitpunkt stand fest: Das Team von Prof. Karch hat den Erreger identifiziert.

Donnerstag ging es direkt um 6.30 Uhr mit der Abstimmung einer Pressemitteilung weiter. Es handelte sich zum großen Teil um eine Fachinformation, in der aus wissenschaftlicher Sicht alles stimmen musste. Nachdem wir sie verschickt hatten, kündigten sich die nächsten Fernsehteams an. Wir beriefen eine weitere Pressekonferenz für mittags ein, zu der rund 40 Journalisten und acht Kamerateams kamen. Phoenix und ntv übertrugen sogar live – das erste Mal, das ich das bei einer Pressekonferenz erlebt habe.

Was mich am meisten freut, sind der hervorragende Informationsaustausch und die tolle Zusammenarbeit hier in der Pressestelle, aber auch mit den Kollegen aus dem Institut für Hygiene und den klinischen Bereichen. In den vergangenen Tagen habe ich zwar durchschnittlich nur fünf Stunden geschlafen. Das ist aber nichts gegen die Kollegen aus unserem Hygiene-Institut, die gerade eine enorme Arbeitsbelastung stemmen. Dort läuft die wissenschaftliche Arbeit auf Hochtouren – beeindruckend!“

Silvia Rievers, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, St. Joseph-Stift Bremen

Sivia Rievers

„Bei uns wurden die ersten Fälle zu Beginn der letzten Maiwoche bekannt. Momentan behandeln wir sechs Verdachtsfälle, drei sind bereits wieder entlassen. Patienten mit wirklich schweren Verläufen liegen aber nicht hier, da wir keine eigene Dialysestation besitzen.

Die interne Kommunikation funktioniert in unserem Haus wirklich gut: Unsere Hygienefachkraft gibt mir regelmäßig den Stand der Dinge durch. Sie hat nach dem ersten Auftreten sofort die entsprechenden Handlungsanweisungen für alle Mitarbeiter verfasst und per E-Mail und über das Intranet veröffentlicht.

Die externen Anfragen halten sich aber in Grenzen: Ich habe die wenigen Medienanfragen direkt an solche Häuser weitergereicht, die stärker betroffen sind. Ansonsten sehe ich den medialen Hype um EHEC eher kritisch. Wenn im Fernsehen Krankenhausmitarbeiter in ,Outbreak-Anzügen‘ gezeigt werden, obwohl das Risiko einer Ansteckung von Mensch zu Mensch bei EHEC sehr gering ist, wird einfach Panik verbreitet.“

    Tags: ,

    Kommentar schreiben