Archiv für die Kategorie ‘Ethik’

Rezension: „Über das Sterben“

Donnerstag, 31. Mai 2012

„Der Tod gehört zum Leben dazu“ – so lautet ein Sprichwort. Dennoch scheinen Gespräche über das Sterben selbst im engsten Familienkreis of tabu. Gestorben wird im Krankenhaus oder im Altenheim, in den seltensten Fällen in den eigenen vier Wänden – dabei ist das für einen Großteil der Bevölkerung eine wünschenswerte Vorstellung. In der Wirklichkeit erfüllt sich dieser Wunsch meist nicht. Die Frage nach einem selbstbestimmten Tod ist jedoch ein Thema, das etwa schwer kranken Menschen auf der Seele liegt. Wenn man den Angehörigen nicht zur Last fallen und lieber den Freitod als die Abhängigkeit wählen will – wie sieht in diesen Fällen die aktuelle Rechtslage aus? Macht mein Partner sich strafbar, wenn er mir Zugang zu den notwendigen Medikamenten verschafft? Gilt das bereits als „aktive Sterbehilfe“? Und inwieweit kann ich meinen Arzt bitten, mir zu helfen? (mehr …)

Uniklinik Mainz: Mut zur Wahrheit

Freitag, 08. April 2011

In Zeiten des Loveparade-Unglücks und der Guttenbergschen Doktorarbeitsarie sind die Fragen nach Schuldbekenntnissen, Verantwortung und dem Umgang mit der Wahrheit vielfach diskutiert worden. Wie ein Leuchtturm sticht dazwischen Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Medizinischer Vorstand der Uni-Klinik Mainz, heraus. Als im August 2010 drei Babys in seiner Klinik nach der Gabe einer Infusionslösung gestorben waren, entschied sich der Mediziner von Beginn an für eine offene Informationspolitik. Pfeiffer zog deshalb alle Tatsachen in Betracht: vor allem die eigene Schuld. Als er in einer Pressekonferenz gefragt wurde, was die wahrscheinlichste Ursache für die Todesfälle sei, nannte er einen Fehler in der Uniklinik Mainz selbst. In einem Artikel des Magazins Chrismon spricht sich Pfeiffer für eine offene Fehlerkultur aus – und bekennt, dass er aufgrund seines evangelischen Wahrheitsverständnisses ohnehin Schwierigkeiten mit dem Lügen habe. Lesenswert!

Copy und Paste in der Medienbranche

Mittwoch, 09. März 2011

Nicht nur Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sorgte in den vergangenen Wochen mit Ideenklau für Furore. Auch Kristina Vogt, Landtags-Spitzenkandidatin der Bremer Linken, schrieb für eine Pressemeldung aus einer Meldung von radiobremen.de ab. Copy und Paste steht jedoch nicht nur bei Politikern hoch im Kurs. Auch die Medienbranche plagiiert, raubt und kopiert schamlos, glaubt man einem Beitrag auf sueddeutsche.de.

Da ist etwa von Journalisten die Rede, die ganze Absätze aus Reportagen ihrer Kollegen übernehmen, von Unternehmen, die nach einem Pitch die Idee einer Agentur einfach in Eigenregie umsetzen oder von TV-Produzenten, die Formate munter von der Konkurrenz kopieren. Das Urheberrecht greift nur in den seltensten Fällen – etwa, wenn der Plagiierte nachweisen kann, dass bei ihm Wort für Wort abgeschrieben wurde. Und Moral? Die sucht man vergebens.

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Großmutters Körpertemperatur? Gefällt mir!

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Es klingt wie eine Ente: Mit einem Klick können wir künftig im Internet checken, wie es unserer Verwandtschaft in den Pflegeheimen der Marseille-Kliniken geht, berichtet das Ärzteblatt. Verschlüsselt abrufbar seien demnach Originaldaten aus der Pflegedokumentation wie Körpertemperatur, Gewicht, Blutdruck, Medikamentenvergabe, Pflegebehandlungen oder „sogar die Teilnahme an der Weihnachtsfeier“. Man wolle mit www.meingesundheitsbuch.de zu einer transparenteren Pflegequalität beitragen, lässt Vorstand Ulrich Marseille verlauten.

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„Wie wollen wir sterben?“ – eine Rezension

Dienstag, 09. November 2010

Meine 85-jährige Oma sagte vor einiger Zeit zu mir: „Wenn du mal in meine Wohnung kommst und mich am Boden liegend vorfindest, dann ruf nicht den Krankenwagen!“ Eine unbegreifliche Aussage für mich. Warum sollte ich ihr denn nicht helfen? Nach der Lektüre des Buches „Wie wollen wir sterben?“ von Michael de Ridder, Chefarzt der Rettungsstelle eines Berliner Krankenhauses, kann ich sie verstehen. In seinem Buch gibt de Ridder nämlich ein klares Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin ab – und dabei ist er nicht zimperlich.
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