Save the date - 14. März 2018 - 12. Kliniksprechertag
30
Nov
2018
Allgemein    von: Lukas Wilke

Neue eHealth-Studie: Deutschland unter den Schlusslichtern

Von digitalem Fortschritt ist im deutschen Gesundheitswesen wenig zu spüren. So lautet das ernüchternde Fazit einer internationalen Digitalisierungsstudie, für die die Bertelsmann Stiftung 17 Länder unter die Lupe genommen hat. „Während Deutschland noch Informationen auf Papier austauscht und an den Grundlagen der digitalen Vernetzung arbeitet, gehen andere Länder schon die nächsten Schritte“, so erklärte Vorstandmitglied Brigitte Mohn den Umstand, dass die Bundesrepublik nur auf dem 16. Platz des Bertelsmann-Rankings landet.

Unter dem Titel #SmartHealthSystems haben die Autoren analysiert, ob und in welchem Umfang digitale Services in der Gesundheitsversorgung etabliert sind. Dazu bewerteten sie die untersuchten Länder anhand der folgenden drei Dimensionen:

  1. Policy-Aktivität: Welche grundlegenden Strategien gibt es?
  2. Readiness: Wie sind die technischen Voraussetzungen?
  3. Umsetzung: Welche Daten werden tatsächlich genutzt?

Wie die Ergebnisse zeigen, haben Vorreiter wie Estland, Kanada oder Dänemark bereits zahlreiche eHealth-Prozesse in die alltägliche Gesundheitsversorgung implementiert. Rezepte werden digital übermittelt, Ärzte und Krankenhäuser greifen über elektronische Akten auf die Gesundheitsdaten ihrer Patienten zu. Auch sind Videobehandlungen und Ferndiagnosen schon an der Tagesordnung. In fast allen untersuchten Ländern existieren dafür „Agenturen für digitale Gesundheit“, also nationale Kompetenzzentren, die technische Standards definieren und die Koordination der einzelnen Prozesse bündeln.

In Deutschland zeichnet sich hingegen ein völlig anderes Bild ab. Trotz früher Pilotprojekte und guter Voraussetzungen kommen die neuen technologischen Möglichkeiten noch nicht bei den Patienten an. Dafür macht Studienleiter Thomas Kostera neben hohen Datenschutzanforderungen vor allem das Selbstverwaltungsprinzip verantwortlich: „Hier haben sich die Akteure lange Zeit gegenseitig blockiert. Es ist noch nicht gelungen, alle Verantwortlichen hinter einem gemeinsamen Ziel zu versammeln“.

Deshalb forderte auch Brigitte Mohn: „Unsere Gesundheitspolitik muss entschlossener handeln als in der Vergangenheit und ihre Führungsrolle bei der Gestaltung der Digitalisierung weiter ausbauen – nicht als Selbstzweck, sondern zum Nutzen der Patienten“. Um Stolpersteine zu vermeiden, könne dabei ein Blick in andere Länder helfen, so Mohn.

Nach allen bisherigen Erfahrungen wird die Studie der Bertelsmann Stiftung die deutsche Politik veranlassen, den Druck auf die Gesundheitsbranche zu erhöhen. Die Ergebnisse werden auch die Kliniksprecher*innen in naher Zukunft in vielen Konferenzen und Tagungen präsentiert bekommen.

Weitere Ergebnisse sowie den gesamten Studienband finden Sie auf den Seiten der Bertelsmann Stiftung.

    Kommentar schreiben